DIE ZINNWERKE  

Aus dem Viertel heraus und ohne institutionelle Förderung durfte sich in den Wilhelmsburger Zinnwerken ein Zentrum für kreatives, soziales und umweltbewusstes Arbeiten entwickeln. Die heute über 80 Nutzenden haben sich zum Nutzer*innenverein Zinnwerke e.V. zusammengeschlossen. Sie wirken in ihren Ateliers, Büros und im großen Coworking–Bereich, die früher Duschen, Umkleideräume und die Kantine im Maschinenraum der historischen Stätte waren. Filmproduktionsfirmen, Grafiker*innen, Kommunikations– und 3D–Designer*innen, ein Tattoo–Studio, die NGO Seawatch, Journalist*innen, internationale Studierende und Lehrende der HafenCity Universität und der HAW Hamburg, Bildhauer*innen, Dramaturg*innen, der Verein »Über den Tellerrand«, die Fahrradgarderobe und der »FlohZinn« arbeiten Seite an Seite und wollen auf dem aufbauen, was bisher gewachsen ist, das vorhandene Potenzial für alle nutzbar machen. Das ist der Beitrag des Zinnwerke e.V. zur kulturellen und sozialen Entwicklung Wilhelmsburgs. Am ehemaligen Veringkanal in Hamburg–Wilhelmsburg – dem ärmsten, internationalsten und jüngsten Stadtteil Hamburgs – ist in den letzten Jahren ein vielfältiges Kultur– und Kreativwirtschaftsquartier gewachsen: Das Soziokulturzentrum Honigfabrik, das selbstverwaltete Atelierhaus 23, der Musikclub Turtur, das Archipel (offene Plattform für Selbstorganisation) und die Minibar/Inselpension, die freie Schule für Gestaltung, die legendäre Soulkitchenhalle, der Interkulturelle Garten oder das international bekannte Dockville Festival sowie die Zinnwerke sind hier verortet. Am Kanal liegen außerdem die Nordischen Ölwerke (ein starke Emissionen produzierender Industriebetrieb), eine Spedition mit enormem Schwerlastverkehr, eine Autowerkstatt und das Krankenhaus Groß-Sand. Diese brisante Kombination birgt nicht nur Probleme, sondern auch große Chancen, die es modellhaft in Bezug auf Fragen von Integration und dem Miteinander von Industrie, Kreativwirtschaft, Natur und Wohnen zu entwickeln gilt. Die hausgemachte Zukunftsszenario der Zinnwerke gibt es online: www.zinnwerke.de

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EINORDNUNG

Die Bedeutung eines solchen Ansatzes erschließt sich eigentlich von selbst, wenn man die Entwicklung und Situation von Wilhelmsburg betrachtet: Die Elbinseln mit den Stadtteilen Wilhelmsburg und Veddel sind geprägt von einer Mischung aus Hafen- und Industriegebieten, Autobahnen, Bahntrassen, Brachflächen und unzusammenhängenden Siedlungsstrukturen. Wilhelmsburg ist mit seinen über 50. 000 Einwohner*innen nach wie vor ein von Arbeitslosigkeit besonders betroffener Stadtteil. Der Anteil an Arbeitslosen und Leistungsempfänger*innen nach SGB II ist fast doppelt so hoch wie im Hamburger Durchschnitt. Das Stadtquartier zeichnet sich durch eine kulturelle Vielfältigkeit (Migrationshintergrund 59,9 %) und eine sehr junge Bevölkerung (20,7 % jünger als 18 Jahre) aus (Stand 2017). Strukturelle und belastende Umwelt- und Verkehrsprobleme sowie eine nach wie vor schwierige Bildungssituation sind trotz der umfangreichen Veränderungen im Zuge der Internationalen Bauausstellung immer noch präsent. Das seit Jahren von der Zivilgesellschaft eingeforderte integrierte Stadtteilentwicklungskonzept existiert bislang immer noch nicht. Das starke zivilgesellschaftliche Engagement in Wilhelmsburg ermöglicht dem skizzierten Lernformat EX_ KURS, welches einen akteursübergreifenden Forschungs- und Handlungsansatz verfolgt, eine besonders Erfolg versprechende Basis.


exkurs@zinnwerke.de


Wilhelmsburger Zinnwerke
Am Veringhof 7
21107 Hamburg